Erreichbarkeit

Sie erreichen uns in dringenden seelsorglichen Fällen rund um die Uhr über die Station oder die Telefonzentrale (+49 89 4140-0).

Unser Angebot gilt für Patienten, Angehörige und Personal unabhängig von Religion und Weltanschauung!


SEELSORGE-PORTAL, KRISENINTERVENTION,
KATH. ANGEBOTE:
Telefon +49 (089) 4140-2292 
(täglich 9-17 Uhr, sonst über die Station)

EVANGELISCHE SEELSORGE:
Telefon +49 (089) 4140-2295 

In einer multikulturellen und individualisierten Gesellschaft erscheint es uns sinnvoll, zuerst darzulegen, welche Bedeutung bestimmte Worte für uns als Seelsorgerinnen und Seelsorger haben. So wird unsere Haltung, Überzeugung und unser Handeln als Klinikseelsorge transparent.

Gott

Gott ist für uns der „Große“ und „Erhabene“, den kein Name umfassend beschreiben und erfassen kann:
In ihm sind alle Gegensätze der Wirklichkeit vereint, so auch Allmacht und Ohnmacht. Er ist der Nahe und Ferne, der Zugewandte und der Unbekannte, Urgrund und Ziel aller Existenz. Auch wenn er sich in Materie, Kraft, Energie oder Information manifestiert, hat er sich doch selbst immer wieder als Person, als „Du“ offenbart:
Er zeigt sich als Gegenüber, als Beziehungs- und Bundespartner für den Menschen. Der Begriff „Gott“ ist in unserer Sprache und Kultur männlich geprägt.
Dies ist aber aus der Gottesdefinition eine unzulässige Festlegung: Gott ist weder männlich noch weiblich und übersteigt alle geschlechtsspezifischen Zuordnungen.
Ein Synonym für Gott ist „Liebe“. Gott liegt der Mensch und sein Heil am Herzen, die Zusage seiner Begleitung im Leben ist unwiderruflich und dennoch wird er
immer wieder auch als abwesend, schweigend und fremd erfahren. Bei aller Rätselhaftigkeit seines Wesens gilt seine Vorliebe besonders Schwachen und Armen, Leidenden und Ausgegrenzten, Kranken und Gefangenen.

Mensch

Der Mensch ist Person. Er ist Individuum und soziales Wesen.

Der Mensch ist Möglichkeit, sein Leben Weg und Prozess:

- Er ist dazu aufgerufen, die ihm geschenkte Individualität und Besonderheit wie auch seine Liebesfähigkeit zu entdecken und zu entfalten.
- Er ist auf Beziehung hin geschaffen und ist ohne sie nicht in einem existentiellen Gleichgewicht.
- Er entwickelt sich in Gemeinschaft und Auseinandersetzung mit dem „Du“ anderer Menschen, der Welt und Gott.

Der Mensch ist Geschöpf Gottes. Nach biblischem Verständnis ist er Abbild Gottes und besitzt die Freiheit, als Person mit Gott in eine Beziehung einzutreten. Darin liegt seine besondere und unverlierbare Würde.

Der physische Tod ist Teil des menschlichen Lebens. Nach dem Zeugnis der meisten Religionen ist er nicht der endgültige Verlust der Existenz der Person, sondern Übergang, Wandlung und Heimkehr.

Krankheit und Leid, Sehnsucht und Mangel, Heil und Gesundheit

Die Frage nach dem Leid hat Menschen immer beschäftigt. Sie bleibt eine offene Frage, die uns mit allen Menschen solidarisch verbindet, auf die es aber keine allgemein gültige und für jeden schlüssige Antwort gibt.

Nach christlicher Überzeugung sind Krankheit und Leid keine Strafe Gottes. Sie gehören zum Leben, das nicht nur schön, sondern auch zerbrechlich, endlich und fragmentarisch ist.

In Krankheit und Leid erlebt der Mensch, dass er auf andere angewiesen ist. Viele sagen, dass in dieser Zeit Beziehungen erneuert oder vertieft worden sind – zu anderen Menschen und/oder auch zu Gott. So kann eine Zeit des Leids durchaus auch Erfahrungen von Heil ermöglichen.

Die Sehnsucht nach Glück oder vollkommenem Leben ist im Menschen angelegt. Sie umfasst mehr Dimensionen als nur die Gesundheit. Der Mensch strebt nach Glück und erlebt immer wieder Momente davon, die leider nicht von Dauer sind. Der immer wieder erfahrene Mangel an Glück treibt ihn in seiner Suche, glückliche Erfahrungsmomente nähren seine Hoffnung. Wenn der Mensch die Zeiten des Mangels in seinem Leben annehmen kann, lässt ihn dies glückliche Zeiten als Geschenk erfahren. Eine solche Haltung bewahrt davor, mit allen möglichen Mitteln Glück „herstellen“ zu wollen oder gegenüber anderen ein Recht darauf einzufordern.

Heil ist ein spirituell-religiöser Begriff und betont den Geschenkcharakter des Lebens. Er meint uneingeschränkt gewolltes, angenommenes, beschütztes und geliebtes Leben, auch und gerade in Zeiten der Dunkelheit und Bedrohung. Heil ist die Zusage für ein Leben im „Ja“ Gottes. So kann ein kranker Mensch gleichzeitig ein heiler Mensch sein.

Wir Seelsorgerinnen und Seelsorger leben aus der Überzeugung, dass Gott den Menschen in Leid und Krankheit nicht im Stich lässt. Diese Zusage wird bereits in der Bedeutung seines jüdisch-christlichen Namens sichtbar: „Jahwe“ – „Ich bin da“. Liebevolles Dasein und Begleiten ist sein Wesen. Die Zusage gilt allen Zeiten des Lebens und kann stärken, heilen und befreien.

Liebe, Hoffnung und Solidarität sind aus diesem Vertrauen entspringende Haltungen, die dem Unheil entgegentreten können und die in Gott ihren Ursprung und ihre Kraft haben und bekommen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihre Definition von Gesundheit (1949) aus unserer Sicht den transzendenten und spirituellen Aspekt aufgenommen.
Gesundheit wird verstanden als „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“.
Hier wird das Ideal eines heilen Lebenszustandes beschrieben, eine an sich verheißungsvolle Perspektive, hinter der die Wirklichkeit zurückbleibt.
Wertvoll an diesem Gesundheitsbegriff ist, dass die Erhaltung oder Wiederherstellung einer möglichst guten Lebensqualität (Wohlergehen) in allen Dimensionen menschlichen Lebens in den Mittelpunkt gestellt wird. Diesem Ziel soll jede Behandlung von Krankheiten dienen.

Spiritualität – Religion

Die Europäische Vereinigung Palliativmedizin (EAPC) hat 2010 eine Definition vorgelegt, die für uns leitend ist:


Spiritualität ist die dynamische Dimension menschlichen Lebens, die sich auf die Art und Weise bezieht, in der Personen (Individuen und Gemeinschaften) Sinn, Bedeutung und Transzendenz erfahren, ausdrücken und/oder suchen, und die Art und Weise, wie sie sich mit dem Augenblick, mit sich selbst, mit anderen, mit der Natur, dem Bedeutsamen und/oder dem Heiligen verbinden.
Das spirituelle Feld ist multidimensional und umfasst:
  1. Existentielle Herausforderungen (z.B. Fragen nach Identität, Sinn, Leiden und Tod, Schuld und Scham, Versöhnung und Vergebung, Freiheit und Verantwortung, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Freude).
  2. Wertorientierte Überzeugungen und Haltungen (was ist am wichtigsten für jede Person – wie Beziehungen und Bezüge zu sich selbst, Familie, Freunden, Arbeit, Dingen, Natur, Kunst und Kultur, Ethik und Moral und dem Leben an sich).
  3. Religiöse Überzeugungen und Fundamente (Glaube, Glaubensinhalte und Praktiken, die Beziehung zu Gott oder dem Endgültigen).

European Association on Palliative Care: taskforce on Spiritual Care in Palliative Care 2010 (eigene Übersetzung)


 

Spiritualität meint in unserem Verständnis die existentielle Dimension sowie die Fähigkeit – oder besser Eigenart – des Menschen, Grenzen oder Mangel nicht nur zu erfahren, sondern zumindest geistig auch zu übersteigen (transzendieren), sich nicht mit dem abzufinden, was sinnlich erfahrbar und begreifbar ist.
Vielmehr streckt und richtet er sich aus in Hoffnung auf Ungreifbares. Spiritualität ermöglicht Stabilität, Orientierung, Sinn und Identität mitten im Wandel oder der Bedrohung. Sie gibt Halt in einer Situation, in der „die persönliche Welt zusammenbricht“.
Religion bedeutet vom Wortsinn her „Rückbindung“. Sie verbindet die spirituelle Erfahrung, Sehnsucht und Deutung des Einzelnen mit der sozialen und generationsübergreifenden Dimension. Sie fügt den individuellen Antworten die Erfahrungen, Hoffnungen und Deutungen der Gemeinschaft hinzu. In Kult und Ritual werden diese gefeiert und vergegenwärtigt. Dies ist vor allem an Lebenswenden (Geburt, Tod, Erwachsenwerden, Partnerschaft) und im Kontext von Krise, Scheitern, Leid und Grenzerfahrung bedeutsam.
Ein kollektives Welt- und Selbstverständnis, Ethik und Moral unterstützen die Verantwortung, Entscheidungsfähigkeit und Freiheit des Einzelnen. Sie dienen dem Zusammenleben und entwickeln Visionen sozialer Gerechtigkeit.

 

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