Zu den Schwerpunktaufgaben der Seelsorge (rk) gehören Mitarbeit, Forschung und Lehre im Team der Palliativmedizin am Klinikum

Verantwortlich für diesen Bereich: Pastoralreferent Klemens Hellinger

Seelsorge in der Palliativversorgung: Auftrag und Aufgabe

 

Auftraggeber für Seelsorge:
Das Selbstverständnis von Palliative Care

Ausgehend von der Definition der WHO (2002) gehört die „Vorbeugung und Linderung von Leiden mittels frühzeitiger Erkennung, hochqualifizierter Beurteilung und Behandlung von Schmerzen und anderen Problemen physischer, psychosozialer und spiritueller Natur" zu den Aufgaben von Palliative Care.

Was aber sind spirituelle Schmerzen oder Probleme?

 

Das ganzheitliche Schmerzkonzept der Begründerin der modernen Hospizbewegung Cicely Saunders (1918 – 2005) versteht unter den spirituellen Schmerzen die Fragen nach Schuld, Sinn, persönlicher Betroffenheit und Biografie genauso wie die drei Grundfragen der menschlichen Exitenz: Warum, wozu und wohin. Sie selbst formuliert diese nicht erst von ihr entdeckten Zusammenhänge folgendermaßen: „Dabei ist es seit langem bekannt, dass seelisches und körperliches Leid einander verstärken können; indem man das eine lindert, kann man auch das andere erträglicher machen. Durch eine kompetente Symptomkontrolle kann die Kommunikation mit dem Patienten eröffnet und Unterstützung auf einer tieferen Ebene angeboten werden" (Saunders, Cicely, Leben mit dem Sterben) Gerade diese „tiefere Ebene" wird durch die spirituelle Begleitung sichtbar und bewusst gemacht und stellt so einen wesentlichen Bestandteil jeder Palliativversorgung dar

Was aber ist spirituelle Begleitung?

Als erstes gilt es festzuhalten, dass es keine Berufsgruppe gibt, die für diese Aufgabe das Monopol hat, sondern dass jeder Mensch fähig ist, den anderen spirituell zu begleiten, da jeder Mensch spirituell ist. Gerade weil dies so ist, aber nicht einfach so „nebenbei" erledigt werden kann, braucht eine spirituelle Begleitung zwei Komponenten, einen Raum und eine Person, die sich bei Bedarf in diesem Bereich vertieft auskennt und die neben dem Schatz der eigenen Erfahrung auch auf solche zurückgreifen kann, die Religionen und Weltanschauungen anbieten. Auch sollte sie die Fähigkeit haben, das Gegenüber wirklich und vollständig wahrzunehmen, ganz bei dem anderen zu sein, um intensiv zu- und hinhören zu können. Was kennzeichnet aber nun diese Art der Begleitung?

Was ist Spiritualität?

Sicher ist die Definition von Spiritualität zu unterschieden von dem Begriff der Religion, Glauben und Frömmigkeit. Ebenso eindeutig ist, dass es keine allgemeingültige Definition gibt. Trotzdem lohnt es sich, auch hier Wege aufzuzeigen. Die Klinikseelsorger in München Großhadern haben in ihrem überarbeiteten Konzept aus dem Jahr 2005 versucht diesen Begriff zu umschreiben: „Unter Spiritualität verstehen wir die lebendige Beziehung eines Menschen zu dem, was sein Leben trägt, kräftigt und erfreut. Spiritualität ist vergleichbar der lebendigen Bewegung von Ein- und Ausatmen. In der jüdisch-christlichen Tradition steht der Atem Gottes (ruach, pneuma, Hl. Geist) für jene Kraft, die dem Menschen Leben in einem umfassenden Sinn schenkt." Dieses In-Beziehung-Sein zu den Kraftquellen, hierfür ansprechbar zu sein und auch einen Ansprechpartner zu haben, ist in der alltäglichen Arbeit wichtig.

Wer leistet spirituelle Begleitung?

 

Dies kann – besonders im speziellen Sinn – nur jemand leisten,der diese Qualifikationen mitbringt, der also vertiefte Kenntnisse und Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Hermeneutik, Gesundheitsethik und in der Gestaltung von Ritualen besitzt. Daneben ist es unerlässlich, seinen persönlichen Hintergrund, seine Basis gut reflektiert und kennen gelernt zu haben und sich kontinuierlich fortzubilden. Ein gutes Qualitätskriterium stellt sicher die pastorale Ausbildung durch die beiden großen Kirchen dar, die ohne eine entsprechende Qualifikation, ihre SeelsorgerInnen nicht in diesen Bereichen einsetzen. Warum engagieren sich die Kirchen hier so stark?

 

 

Auftraggeber für Seelsorge:
Das Selbstverständnis der beiden Kirchen

zeit3.gifImmer wieder betonen beide Kirchen (z.B.: Gott ist ein Freund des Lebens. Herausforderungen und Aufgaben beim Schutz des Lebens, Gemeinsame Erklärung des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz in Verbindung mit den übrigen Mitglieds- und Gastkirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West), 1989) die wichtigen Impulse und Anregungen der Hospizbewegung, die das gleiche Ziel verfolgt, das die Christen schon seit urkirchlichen Zeiten mit Leben zu erfüllen suchen. Dieses Engagement der Kirchen, das sich bis heute im Bau und Unterhalt von Krankhäusern und Hospizen zeigt, war und ist ein Erkennungszeichen des christlichen Glaubens und wird dies auch weiterhin bleiben. Die Begründung liegt im Auftrag Jesu (vgl. Mt 25,36) und wird auch darin deutlich, dass der Besuch von Kranken – und selbstverständlich auch und insbesondere von Sterbenden – eines der sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit darstellt. Aus diesem Selbstverständnis heraus ist der christliche Glaube bis heute eine der großen Quellen für die Motivation und innere Haltung vieler MitarbeiterInnen in der Palliativversorgung und Hospizarbeit. Neben diesem persönlichen Engagement vieler stehen die Kirchen heute vor der Aufgabe, diese Tätigkeit auch in Strukturen zu gießen, die Erfahrung und Kompetenz der ersten Stunden weiterzugeben und ihr Bestand zu verleihen. Aus diesem Grund entstehen und fördern die Kirchen z.B. Qualifizierungskurse für Seelsorgende in Palliative Care. Für welche Aufgaben werden sie da geschult?

Aufgaben der Seelsorge

 

Die Basis jeden seelsorglichen Handelns ist das Interesse am anderen und die Bereitschaft, sich in seine Nähe zu begeben, d.h. ganz beim Gegenüber und im Kontakt präsent und klar zu sein. Dazu gehört in der Begegnung mit den Menschen eine grundsätzliche Offenheit für ihre Fragen, Probleme und Bedürfnisse. Ausgehend von dem Auftrag Jesu, Kranke zu besuchen, gilt das Angebot allen Menschen –ob Patient, Angehöriger oder Teammitglied – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Dies geschieht durch individuelle Gespräche und Beratung. Selbstverständlich gehört die Erfüllung des Wunsches nach ritueller Begleitung in der jeweils entsprechenden Form dazu. Neben diesen im persönlichen Kontakt verorteten Aufgaben gilt es auch dafür Sorge zu tragen, dass Räume und Zeiten verfügbar sind, damit das Team zur Ruhe, Reflexion und Besinnung kommen kann. Ein Beispiel dafür ist die monatliche Gedenkfeier im Team, bei der jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin die Möglichkeit hat, bei der Nennung des Namens eines Verstorbenen und dem Anzünden einer Kerze Persönliches und noch Offenes anzusprechen.pall.png

Zu den Aufgaben der Seelsorge gehört es auch, sich an der Lehre und Forschung zu beteiligen. Gerade sie hat von sich aus ein ureigenes Interesse, die Bedingungen, wie Kommunikation gerade auch bei schwerkranken und sterbenden Menschen geschehen und gelingen kann, immer besser und genauer kennen zu lernen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Frage, auf welche spirituellen Ressourcen Menschen in diesen Situationen zurückgreifen und wie diese für den persönlichen Heilungsprozess, wobei Heil nicht mit körperlicher Gesundheit zu verwechseln ist, gehoben werden können. Neben all dem Engagement in der Fort- und Weiterbildung, den wichtigen und zu klärenden Fragen über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Dokumentation und der Verortung der Seelsorge als festes Teammitglied gilt es immer wieder selbst zur Ruhe und Besinnung zu kommen, zur Einkehr und Auseinandersetzung mit der oft alles durchdringenden Wirklichkeit des Todes. Immer wieder bleiben Fragen bei Patienten, Angehörigen, dem Team und einem selbst offen: „Warum gerade ich? Warum diese schreckliche Krankheit? Warum trifft sie mich schon in dieser frühen Lebensphase? Weder die Medizin, noch irgendeine Weltanschauung und auch nicht unser christlicher Glaube geben auf diese Fragen eine abschließende Antwort. Wir müssen es vielmehr lernen, angesichts des Todes mit offenen Fragen zu leben." (Gemeinsames Hirtenschreiben der kath. Bischöfe von Freiburg, Strasbourg und Basel, Die Herausforderung des Sterbens annehmen, Juni 2006)