Erreichbarkeit

Sie erreichen uns in dringenden seelsorglichen Fällen rund um die Uhr über die Station oder die Telefonzentrale (+49 89 4140-0).

Unser Angebot gilt für Patienten, Angehörige und Personal unabhängig von Religion und Weltanschauung!


SEELSORGE-PORTAL, KRISENINTERVENTION,
KATH. ANGEBOTE:
Telefon +49 (089) 4140-2292 
(täglich 9-17 Uhr, sonst über die Station)

EVANGELISCHE SEELSORGE:
Telefon +49 (089) 4140-2295 

Hinführung

Seelsorge im Blick auf die Situation von Menschen im Krankenhaus

Aufgabe von Seelsorge im Krankenhaus ist, für Menschen da zu sein und sie zu begleiten. Dabei begegnen wir Patientinnen und Patienten und ihren Zu- und Angehörigen ebenso wie allen, die im Krankenhaus in den verschiedenen Professionen und Diensten tätig sind.

Durch den medizinischen Fortschritt ist es möglich, viele Behandlungserfolge zu erzielen. Es gelangen Menschen im Krankenhaus aber auch immer wieder an Grenzen. Sie werden mit der Zerbrechlichkeit und Endlichkeit des Lebens konfrontiert und begegnen dabei dem Unverfügbaren. Sie suchen Halt und ringen um Sinn und Lebensgewissheit.

Die verschiedenen Berufsgruppen eines Klinikums bringen auf ihre je eigene Art und entsprechend ihrer Aufgabe vielfältige Fähigkeiten und Kompetenzen zum Wohl der Menschen ein. Zunehmender ökonomischer Druck im Gesundheitswesen wird jedoch immer mehr zur Herausforderung und bringt Menschen an Grenzen von Belastbarkeit.

In vielen und unterschiedlichsten Begegnungen zeigt sich ein tiefes menschliches Bedürfnis: Wir möchten mit dem, was uns zutiefst bewegt und angeht, wahrgenommen, wertgeschätzt, respektiert und gehört werden.

Geschieht dies in einem vertrauensvollen Gespräch, können sich Entlastung, Erleichterung und Hoffnung ereignen. So kann die Erfahrung, verstanden zu werden, in sich selbst heilsam sein.

Gleichzeitig können seelsorgerliche Begegnungen über sich selbst hinaus weisen. Seelsorge steht dafür, dass wir einer Weise angenommen sind, die in weit tieferen Wurzeln ihren Grund hat. Dafür möchte sie Ahnung und Hoffnung wach halten.

Seelsorge sieht den Menschen in der Dimension einer Ganzheit und Würde, die uns von Gott her zugesprochen ist und Krankheit, Unvollkommenheit und Fragmentarisches mit einschließt. Sie sieht die Ganzheit unseres Menschseins daher als etwas, das immer auch mehr ist als das, was an
heilvollem und erfülltem Leben gelingt oder nicht gelingt.

Dafür möchte Seelsorge Zeit und Raum geben.

1. Grundlagen

Seelsorge als Präsenz der evangelischen Kirche im Krankenhaus versteht sich als offen für alle – unabhängig von der jeweiligen Kirchen- oder Religionszugehörigkeit und Weltanschauung.

Sie hat ihren Grund in der Zuwendung und Nähe Gottes zum Menschen wie sie die Heilige Schrift beschreibt und in seiner Menschwerdung in Jesus Christus, der uns sagt: „Ich war krank und ihr habt mich besucht“ (Mt 25,36).

Die hauptamtlichen Seelsorgepersonen mit zusätzlicher Ausbildung für Klinikseelsorge unterstehen dienstrechtlich der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern und sind von ihr zum Dienst im Krankenhaus beauftragt.

Die Rahmenbedingungen sind zwischen Kirche und Krankenhausträger geregelt.

Aufgrund der Religionsfreiheit (GG Art. 4 Abs. 1) kann die freie Ausübung der Religion und Seelsorge niemanden vorenthalten werden. Sie versteht sich als Angebot, das in aller Freiheit angenommen werden kann.

Das seelsorgerliche Gespräch ist durch Verschwiegenheit und Beichtgeheimnis geschützt.

2.   Unser Selbstverständnis

2.1. In Begegnung und Gespräch

Mit der Klinikseelsorge ist evangelische Kirche da präsent, wo Menschen sie in ihren Sorgen und Ängsten, aber auch in ihren Sinnfragen und Hoffnungen besonders brauchen.

Sie steht für die Annahme des Menschen um seiner selbst willen in einer Welt, die unter fortschreitender Effizienz und Optimierung auch leidet – in einer Welt, in der die Sehnsucht nach Unversehrtheit, nach Annahme und Vergewisserung, nach Vergebung und Barmherzigkeit groß ist und oft gerade in Krankheit und Lebenskrise aufbricht.

So gehört es zum Wesen einer seelsorgerlichen Begegnung, Menschen mit ihren ureigensten Anliegen wahrzunehmen. Seelsorge möchte einen Freiraum eröffnen für das, was ist und zur Sprache kommen will.

Alles kann dabei zum Anlass für ein seelsorgliches Gespräch werden. Das Thema bestimmt unser Gegenüber, ohne dass es explizit um religiöse Themen oder Glaubensfragen gehen muss.

Je nach Situation kann Seelsorge Lebens- und/oder Glaubenshilfe sein. Sie wahrt dabei den Respekt vor der je eigenen Lebens- und Glaubenskompetenz bzw. weltanschaulichen oder religiösen Beheimatung des Gegenübers.

Daher gilt es auch, gemeinsam in den Blick zu nehmen, was dem Leben dient, sowie mit den Menschen Wege zu finden, die sie gehen können.

2.2.  In der spirituellen und religiösen Dimension

Seelsorge ereignet sich in einem Rahmen, der über die Kategorien „gesund/krank“, „stark/schwach“ hinausweist. Sie versteht Heilsein aus der religiösen Dimension heraus als etwas Umfassenderes als Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Wenn im Krankenhaus existentielle Fragen aufbrechen, kann dabei im Tiefsten auch die Frage nach Gott angerührt sein.

Diese spirituelle bzw. religiöse Tiefendimension kann mitschwingen, wenn es um Fragen geht nach dem, was trägt und bleibt, nach Versöhnung einer Lebensgeschichte, nach Sinn, Orientierung und Beheimatung, oder wenn zerbrochener Glaube und erschütterte Spiritualität zu Wort kommen.

Seelsorge möchte Menschen in ihren spirituellen Fragen begleiten.

Sie steht für die Hoffnung und Ahnung, dass Leben und Sterben, Leiden und Sinnlosigkeit in einer größeren Geborgenheit aufgehoben sind. Sie sucht daraus nach Quellen des Vertrauens, der Hoffnung und der Lebendigkeit.

Seelsorge kann sich in unverfügbarer Weise heilsam auswirken ohne dass sie dabei selbst eigene therapeutische Ziele verfolgt.

3.    Arbeitsweise

3.1. In ökumenischer Ausrichtung

Wir sehen uns mit der katholischen Seelsorge im Klinikum verbunden im Auftrag, Kirche im Krankenhaus zu sein.

Darin gestalten wir die Zusammenarbeit und achten die jeweilige konfessionelle Identität.

Wir begleiten Menschen unabhängig von ihrer jeweiligen Konfession oder einer Kirchenzugehörigkeit. Die Stationen haben entweder eine evangelische oder katholische Ansprechperson. Wünsche nach Seelsorge anderer Konfessionen werden weitergegeben.

Die Begleitung unserer Ehrenamtlichen ist ökumenisch getragen und gestaltet. Entsprechend der kirchlichen Standards sind ausgebildete ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger unter der Verantwortung und Begleitung von Hauptamtlichen in der Regel einmal wöchentlich auf bestimmten Stationen tätig.

In der ökumenischen Dienstbesprechung werden gemeinsame Themen und Fragen behandelt und entschieden. Wir gestalten unsere Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam.

Im gemeinsamen Mittagsgebet nehmen wir die Anliegen der Menschenim Krankenhaus auf und tragen sie solidarisch vor Gott.

Unsere Gottesdienste feiern wir in ökumenischer Verbundenheit, in der alle eingeladen sind. Zu besonderen Zeiten und Anlässen feiern wir ökumenische Gottesdienste.

3.2. Im Blick auf Patienten und Angehörige

Patientinnen und Patienten sowie deren An- und Zugehörige begleiten wir durch das Angebot von Zuhören und Gespräch. Daraus kann sich ein gemeinsames Hinschauen ergeben auf das, was gerade sinnvoll und hilfreich ist.

Dazu gehört auch unser Dasein und Beistehen in Krisen- und Grenzsituationen des Lebens und in Momenten der Hoffnungslosigkeit.

Grundlegend ist unser Zuhören und Aushalten in der jeweiligen Situation, in der unterschiedliche Emotionen und Erfahrungen bis hin zur Sprachlosigkeit Raum haben können.

Gemeinsam mit den Betroffenen können wir nach Formen oder Ritualen suchen, um dem Ausdruck zu verleihen, was zur Sprache kommen möchte oder auch gar nicht in Worte gefasst werden kann. So kann darüber hinaus spürbar werden, dass es etwas Größeres gibt, das trägt.

In diesem Rahmen kann auch eine Begleitung in Gestalt von Gebet, Krankenabendmahl oder Segensgesten als unterstützend erlebt werden, ohne dass dies von unserer Seite aufgedrängt wird.

Gerade um für individuelle Situationen und Bedürfnisse von Menschen Zeit und Raum zu haben, sind Besuche von unserer Seite aus in flächendeckender Weise nicht realistisch. Je nach Bedarf, Notwendigkeit und Möglichkeit setzen wir jeweils Schwerpunkte in unserer Arbeit und auf bestimmten Stationen.

Erreichbarkeit

Patientinnen und Patienten, Angehörige oder Personal können uns daher gerne von sich aus rufen bzw. auf Wunsch den Kontakt herstellen lassen. Entsprechende Hinweise zur Erreichbarkeit finden sich im ausliegenden Informationsmaterial und auf unseren Aushängen auf den Stationen.

In seelsorgerlichen Notsituationen ist evangelische Seelsorge auch nachts, an Wochenenden und Feiertags zuverlässig zu erreichen (Erreichbarkeit in Kooperation mit der evangelischen Seelsorge in den Krankenhäusern München Schwabing und Bogenhausen).

3.3. Im Blick auf die Mitarbeitenden

Unser Anliegen ist es, in Solidarität mit den Menschen in den anderen Berufgruppen im Krankenhaus unseren Dienst zu tun. Wir möchten dabei nicht nur im Gelingen, sondern auch im Schweren Anteil nehmen und für Menschen da sein. Mit den Erfahrungen von Grenzen und den Ambivalenzen von Anspruch und Wirklichkeit wollen wir sensibel und respektvoll umgehen.

Seelsorge kann aufgrund ihrer unabhängigen und neutralen Position im Klinikum und der seelsorgerlichen Verschwiegenheit für die Nöte und Anliegen der Menschen in den verschiedenen Professionen ein Ohr haben und zur Entlastung beitragen.

Auf Wunsch begleiten wir Mitarbeitende bei persönlichen wie beruflichen Problemen. 

Zu unserem Dienst gehört es ebenso, im Unterricht zu verschiedenen Themen (z.B. „ethische Probleme“, „Sterben und Tod“) mitzuwirken, sowie Fortbildungen und Seminare anzubieten, durch die wir die Mitarbeitenden in ihren persönlichen und spirituellen Ressourcen unterstützen wollen.

3.4. Im Blick auf das System Krankenhaus

Um Seelsorge als unseren Beitrag zum Wohl der Menschen anbieten zu können, braucht es Kooperation mit den anderen Diensten des Klinikums. Durch unsere kirchliche Beauftragung bringen wir eine eigene und unabhängige Struktur und Arbeitsform in das Klinikum mit ein, die es uns ermöglicht, Wegbegleitung und Gegenüber zu sein.

Aus dieser Struktur heraus suchen wir Dialog und interdisziplinären Austausch, es ergeben sich die Möglichkeiten zur Begleitung in ethischen Fragen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den verschiedenen Berufsgruppen im Sinne einer ganzheitlichen Fürsorge.

So kann Seelsorge ihre je eigene Sicht und Kompetenz einbringen, Fragen aufwerfen und aufgreifen, um ergänzende oder unterschiedliche Sichtweisen werben, zu Entschleunigung und Entlastung beitragen.

Die evangelische Seelsorge ist im Ethik-Komitee vertreten und beteiligt sich an verschiedenen Veranstaltungen und Arbeitsgruppen. Wir stehen in Kontakt und Austausch mit der Leitung des Klinikums.

Mit der „Arbeitsgemeinschaft für Krankenhausseelsorge“ sowie der „Fachstelle für Ethik und Anthropologie im Gesundheitswesen der evangelischen Kirche in Bayern“ sind wir vernetzt und haben aktuelle Aspekte aus dem medizinethischen Diskurs im Blick.

3.5. Im Blick auf das Ende des Lebens

Sterbende und ihre Angehörigen zu begleiten ist wesentlich Aufgabe christlicher Seelsorge. Sie will dabei helfen, mit schmerzlichen und leidvollen Situationen zu leben.

Wir stehen Betroffenen für Gespräch und Unterstützung zur Verfügung und zur Begleitung beim Abschied nehmen. Auf Wunsch begleiten wir auch das Stationsteam in belastenden und krisenhaften Situationen.

Achtsames Wahrnehmen der Situation, stilles Dasein, wo es angebracht ist, Gebet und Segen im Respekt vor der je eigenen religiösen oder konfessionellen Beheimatung können den Betroffenen Halt geben und dem Unfassbaren Ausdruck verleihen.

Bei Bedarf verweisen wir auf weitere unterstützende Angebote.

In gleicher Weise stehen wir Eltern beim Tod eines Kindes vor oder nach der Geburt bei.

Zusammen mit der katholischen Seelsorge gestalten wir die gemeinsame Feier zur Bestattung
von „Sternenkindern“ in religiöser und kultureller Offenheit auf dem Ostfriedhof.

In Zusammenarbeit mit katholischer Seelsorge, Vorstand und Personalrat laden wir zur jährlichen
Gedenkfeier für verstorbene Patientinnen und Patienten und Mitarbeitende des Klinikums.

3.6. Im Blick auf Kirchenraum und gottesdienstliches Leben im Krankenhaus

Die evangelische Hephata-Kapelle (aramäisch für „Öffne dich“, Markusevangelium 7,34) bietet den Menschen auf ihren Wegen im Krankenhaus einen Ort der Stille und Zuflucht in Freud und Leid.

Menschen unterschiedlichster religiöser und kultureller Beheimatung, Patientinnen und Patienten, Angehörige, Besucher und Mitarbeitende des Krankenhauses suchen die Kapelle zu Sammlung und Gebet oder zum Innehalten auf. 

Tagsüber bis in den Abend hinein ist die Kapelle offen.Es können Kerzen entzündet und im Fürbittenbuch Anliegen in Worte gefasst werden.

Kirchenraum und Gottesdienst möchten existentiellen Erfahrungen Raum und Ausdruck geben und sie in den Horizont einer tieferen, uns zugewandten Wirklichkeit stellen, die wir Gott nennen.

Eine schlichte, offene und bergende Atmosphäre lädt dazu ein, die eigene Lebenswirklichkeit – so wie sie aktuell erfahren wird – zu Gott hin zu öffnen und ihm anzuvertrauen.

Aus dieser Bewegung heraus kann Leben heilsame Ausrichtung finden und wieder in den Fluss kommen.

Menschen können sich selbst, andere, Gott und die Welt in neuer Weise wahrnehmen.

Dies ist auch für uns selbst Ausgangspunkt und Kraftquelle für unseren Dienst, Raum für unsere eigene Angewiesenheit - Seelsorge an uns Seelsorgerinnen und Seelsorgern.

Denn auch Seelsorge bedarf neben eigener Weiterbildung und Supervision der Ausrichtung auf ihre Quellen, um Menschen im Krankenhaus in achtsamer Weise auf ihren Wegen begleiten zu können.

4. Vernetzung und Weiterführendes

Arbeitsgemeinschaft für evangelische
Krankenhausseelsorge in Bayern

www.evangelische-krankenhausseelsorge-bayern.de

Evang.-Luth. Dekanat München
www.muenchen-evangelisch.de

Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannes
Evangelisch in Haidhausen und der Au
www.stjohannes.de

Forschung und Lehre:  Fachstelle für
Ethik und Anthropologie im Gesundheitswesen der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern              
www.ttn-institut.de/FEAG

„Die Kraft zum Menschsein stärken“ –
Leitlinien für die evangelische Krankhausseelsorge

www.ekd.de/download/
leitlinien_krankenhausseelsorge_ekd_2004.pdf

 

Impressum

Januar 2014

©   Evangelische Seelsorge am Klinikum rechts der Isar

Ismaninger Str. 22, Haus 503

81675 München

Tel.: 089.4140.2295

evangelisch@klinikseelsorge-tum.de

Gestaltung: Arthur Stenglein, Pfarrer

                       Angelika Hummel, Klinikseelsorgerin 
                       Klemens Hellinger

V.i.S.d.P.: Pfarrer Arthur Stenglein

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