In fast allen Religionen lernen die Menschen das Gebet, welches sich mit dem Atem verbindet. Tatsächlich ist Kommen und Gehen des Atems die Urbewegung.

Nehmen wir hinzu, daß mit der Geburt der erste Schnaufer anhebt und im Sterben das letzte Ausatmen weggeht, dann berühren wir atmend Anfang und Ende. Jedes Einatmen schöpft neues Leben, jedes Ausatmen veabschiedet sich. Keiner der beiden Zustände ist von Dauer, jeder drängt ins andere und wieder zurück. Die Luft ist unser Lebenselement. An ihrem Wehen, Kommen und Gehen hängt alles- Leib, Seele, Geist. Die Gedanken, die wir denken, brauchen den Sauerstoff, die Worte, die wir sagen oder hören, trägt die Luft. Es ist Menschheitswissen, daß Atem bekommen mit Gott zu tun haben muß. Folglich "betreiben" wir auch unser Gebet mit dem Atem. In diesem Rhythmus schwingt das Gottesgedenken der Buddhisten, das Jesusgebet der Orthodoxen, der Rosenkranz der Katholiken wie auch der Muslime. Ja, der Atem selbst, achtsam begleitet als innere Bewegung, ist Hingabe, Verehrung und Lehre in einem. Er ist ja Atem seines Atems.

Christliche Meditation, Der vergessene Schatz der Anbetung, S. 45