Heute Nacht, aber es war wohl morgens,
wenn die Träume kommen,
dann kam auch zu mir einer.
Was darin geschah, weiß ich nicht mehr,
aber es wurde etwas gesagt,
ob zu mir oder von mir selbst,
auch das weiß ich nicht mehr.


Es wurde also gesagt,
wenn ein Mensch geboren wird,
wird ihm ein Wort mitgegeben,
und es war wichtig, was gemeint war:
Nicht nur eine Veranlagung, sondern ein W o r t.
Das wird hineingesprochen in sein Wesen,
und es ist wie ein P a ß w o r t zu allem,
was dann geschieht.
Es ist Kraft und Schwäche zugleich.
Es ist Auftrag und Verheißung.
Es ist Schutz und Gefährdung.
Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht,
ist Auswirkung des W o r t e s,
ist Erläuterung und Erfüllung.
Und es kommt darauf an,
daß der, dem es zugesprochen wird,
-jeder Mensch,
denn jedem wird eines zugesprochen-
es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt.
Und vielleicht wird dieses Wort
die Unterlage sein zu dem,
was der Richter einmal zu ihm sprechen wird.

Romano Guardini, 1.August 1964; gefunden in Herbert Alphonso, Die Persönliche Berufung,S.13