advent weihnacht mriWeihnachten beginnt nicht mit 1000 Lichtern.

Weihnachten beginnt mit der Wahrnehmung von Dunkelheit, im eigenen Leben wie im Leben anderer und der ganzen Menschheit. Nur wer Dunkelheit(en) sieht, kennt und weiss, was sie mit Menschen macht, der und die kann Weihnachten verstehen.

Das Fest beginnt dann, wenn es am dunkelsten ist. Nicht indem man 1000 Lichter anknipst.

Sondern indem man in der Dunkelheit nach dem kleinen Licht, dem einzelnen, flüchtigen Licht Ausschau hält und ihm vertraut,dass es stärker ist als die Dunkelheit und dass es nicht alleine bleibt.

Der Advent, den wir 4 Wochen vor Weihnachten beginnen, will uns diese Wirklichkeit und Hoffnung üben helfen, ausprobieren und erlernen.

Geduld und Hoffnung müssen immer neu geübt werden. Wer weiß das besser als Patientinnen und Patienten, deren Rollenbezeichnung lateinisch schon Geduld bedeutet. 

Weihnachten, Leben in Liebe, Heil und Fülle ist nichts, was man anknipsen kann wie 1000 Lichter am Christbaum.

Der Advent zündet jede Woche erstmal nur eine kleine Kerze an und wartet dann. Fast wie im richtigen Leben. Es geht nicht schneller als es halt geht...alles hat seine Zeit und braucht seine Zeit.

Fast schon skandalös in der modernen digitalen Welt. Aber überholt?

Lassen wir uns die geduldige wartende Hoffnung der 4 Wochen bis Weihnachten nicht durch die Lichtermeere zur Illusion verkommen, dass Leben und liebende  friedliche und heile Gemeinschaft einfach herzustellen ist oder kontrolliert werden kann.

Nehmen wir die Dunkelheit wahr, heulen wir in unseren eigenen dunklen Momenten und klagen, aber lernen wir gleichzeitig und genau dort vom Advent, dass es jede Woche näher hingeht auf eine Verheißung, die jedem Menschen ins Herz gelegt ist. Heil nicht Unheil, Frieden nicht Zerstörung, Liebe nicht Hass sind die Worte und Wirklichkeiten am Ende des geduldigen Wartens auf die Ankunft, die wir am 25. Dezember im Symbol von Weihnachten feiern.

So wünsche ich allen, die krank sind, und auch denen, die für sie sorgen, sowie allen, die Dunkelheit sitzen und sich nach Licht sehnen, eine gesegnete Zeit adventlichen Wartens voller stärkender Hoffnung. Am Ende stehen die 1000 Lichter , nicht am Anfang 👍🎄

Thomas Kammerer

Pfarrer, Leiter der Seelsorge (rk) im Klinikum rechts der Isar